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Trauerretreat: Was ein Retreat für Trauernde bieten kann

Autorenbild: Theres Kirisits
Theres Kirisits
3. Okt. 2025
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Sept.

Kurz gesagt: Ein Trauerretreat ist ein geschützter Tag (oder mehrere Tage), an dem eine kleine Gruppe trauernder Menschen mit Ritualen, Achtsamkeit, einem gemeinsamen Essen und Gesprächen zusammenkommt. Es ersetzt keine Trauerbegleitung, schenkt aber eine Tiefe und Verbindung, die im Alltag selten Platz findet.

Was ist ein Trauerretreat?

Ein Trauerretreat ist ein geschützter, meist eintägiger oder mehrtägiger Raum, in dem sich mehrere trauernde Menschen gemeinsam mit ihrem Verlust auseinandersetzen dürfen, begleitet durch Rituale, Achtsamkeitsübungen, Gespräche und gemeinsame Momente. Anders als eine Einzelbegleitung findet ein Retreat in der Gruppe statt und lebt genau davon: Trauernde erleben, dass sie mit ihrem Schmerz nicht allein sind, auch wenn jede Geschichte anders ist.


Ein Retreat ersetzt keine Trauerbegleitung oder Therapie, sondern ergänzt sie. Es bietet einen intensiven, zeitlich begrenzten Rahmen, in dem Trauer bewusst Raum bekommt.


Für wen ist ein Trauerretreat geeignet?

Für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, ob Mutter, Vater, Großeltern, Partner:in oder Freund:innen, und auch für Menschen, die einen Abschied durch Trennung erleben. Ein Retreat eignet sich für frische Verluste genauso wie für solche, die schon länger zurückliegen. Du musst nicht wissen, was du dort sagen willst. Es reicht, dass du da bist.

Nächstes Retreat: Du möchtest dabei sein? Schreib mir, dann informiere ich dich, sobald ein neuer Termin feststeht.

Einblick: Unser Day Retreat im Burgenland

Gemeinsam trauern. Gemeinsam erinnern. Gemeinsam essen.


Am 31. August 2025 durfte ich in meiner Heimat im Burgenland, Österreich, ein Day Retreat für zwölf Menschen begleiten, die mit Verlusten leben: Verluste von Müttern oder Vätern, Großeltern, Freund:innen oder anderen wichtigen Menschen. Auch Abschiede durch Trennungen hatten hier ihren Platz. Dieser Tag war gefüllt mit allem, was zur Trauer gehört: Tränen und Lachen, Reden und Schweigen, gemeinsames Essen und Gestalten. Alles durfte sein, nichts musste weggedrückt werden.


  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger
  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger
  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger
  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger
  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger
  • Erinnerungsstücke im Kreis · Unser Raum für den Tag · Der Erinnerungsanhänger

Wie der Tag aufgebaut war

Der Tag folgte einem liebevoll gestalteten Ablauf, der Halt gab und zugleich Raum ließ für das, was entstehen durfte:


  • Ankommen in Ruhe: Wer ein Retreat betritt, hat oft Fragen im Kopf: Wie wird die Gruppe sein? Kenne ich jemanden? Fühle ich mich hier wohl? Deshalb war es mir wichtig, genug Zeit zu geben, um den Raum zu spüren und die Menschen in Ruhe wahrzunehmen.

  • Einführungsrunde: Jede:r brachte etwas Persönliches mit, einen Gegenstand, eine Erinnerung oder eine Geschichte, verbunden mit der geliebten Person, und teilte es in der Runde. So entstand Raum auch für die Menschen, die so schmerzlich fehlen.

  • Trauer-Schüttelmeditation: Trauer betrifft den ganzen Menschen, und unser Körper trägt oft mehr, als wir denken. In dieser Meditation durfte die angestaute Last in Bewegung kommen. Danach fühlte sich der Körper spürbar leichter an. Mehr dazu in Körperliche Symptome bei Trauer.

  • Gemeinsames Essen im Garten: Essen nährt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Am langen Tisch entstand Verbindung, mal im lebendigen Austausch, mal in wohltuender Stille.

  • Persönliches Erinnerungsritual: Die Teilnehmenden sammelten ihre Wünsche und Erinnerungen in einem Anhänger, einem Begleiter, der die Verbindung zu den geliebten Menschen sichtbar und spürbar macht.

  • Abschlussrunde: Jede Person zog eine Karte aus „das was bleibt“. Dazu gab es eine Kerze, eine handgeschriebene Karte, einen Gutschein für ein bis drei Trauerbegleitungen und einen Sticker mit den Worten: „voll schön, dass wir gleichzeitig leben“. Ein Licht für den weiteren Weg und ein Zeichen, dass jede Geschichte gesehen wurde.


Ein Raum für Trauer und für Menschlichkeit

Trauer ist kein geradliniger Prozess. Manchmal fühlt sie sich an wie ein schwerer Stein im Rucksack, manchmal wie eine Welle, die plötzlich kommt, manchmal wie eine Stille, die alles einhüllt. Oft hören wir Sätze wie „Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „Du musst loslassen“. Doch wer hat gesagt, dass es Regeln gibt? Ich glaube nicht an Ratschläge. Ich glaube an aktives Zuhören und an Räume, in denen alles Platz haben darf. Warum sich Trauer nicht in feste Schemata pressen lässt, erkläre ich in Trauerphasen: Die 5 Phasen und warum Trauer nicht linear verläuft.


So wurde das Retreat zu einem geschützten Ort, an dem jede:r so sein durfte, wie sie oder er gerade war, mit der eigenen Geschichte, im eigenen Tempo. Es ging nicht darum, etwas zu lösen. Es ging darum, präsent zu sein mit dem, was bleibt.


Rituale, Begegnungen und Dankbarkeit

Die Teilnehmenden haben neue Perspektiven gefunden, hilfreiche Werkzeuge kennengelernt, bewegende Erkenntnisse gesammelt, und vor allem haben wir uns gesehen und gezeigt: menschlich, verletzlich, verbunden. Gemeinsam haben wir gegessen, Erinnerungsrituale gestaltet, Karten gezogen und eine Kerze als Zeichen der Liebe mit auf den Weg genommen.


Magische Momente entstanden, als die Gruppe den Raum betrat: ein Leuchten in den Augen, Dankbarkeit in der Stille, eine Leichtigkeit, die sich im Raum ausbreitete. Möglich war das nur, weil Menschen mir vertrauen und an meine Arbeit glauben.


Mein tiefster Dank gilt allen, die diesen Tag unterstützt haben, von den wundervollen Partner:innen der Goodie Bags bis zu meiner Mama und meiner Freundin Sandra, die bis spät in die Nacht mit mir vorbereitet, gekocht und gestaltet haben.

Dieses Retreat hat mir wieder gezeigt: Verluste verändern uns. Doch wenn wir ihnen gemeinsam begegnen, finden wir Halt, Verständnis und vielleicht auch ein Stück Frieden.

Goodie Bag beim Trauerretreat mit Kerze, Karten und Gutschein

Jeder Mensch ist einzigartig, jede Gruppe auch

Um mich gut auf den Tag vorzubereiten, habe ich vorab über einen Fragebogen die wichtigsten Informationen der Teilnehmenden gesammelt. So konnte ich mich auf jede Person und auf die Gruppe als Ganzes einlassen und hatte ein Gefühl dafür, welche Themen im Raum sein könnten. Jede Gruppe bringt ihre eigene Dynamik mit. Mit Intuition, innerer Gelassenheit und tiefer Verbundenheit ist ein Raum entstanden, den die Teilnehmenden als sehr wertvoll erlebt haben. Einige Rückmeldungen möchte ich hier teilen.


Wie die Teilnehmenden das Retreat erlebt haben

⭐⭐⭐⭐⭐ Theres macht ihre Arbeit unglaublich! Sie liebt was sie tut, das spürt man sofort. Ihre einfühlsame, beruhigende und bestärkende Art gibt einem in der Trauer genau das, was einem fehlt. Im August durfte ich bei einem Trauerworkshop dabei sein, und was soll ich sagen, es war berührend, energetisch und dennoch fühlte ich mich mit den anderen Teilnehmern verbunden. Es war ein sicherer Ort um sich fallen zu lassen. Wenn man jemanden sucht, der einem Halt und Verständnis entgegenbringt, ist man bei Theres an der richtigen Stelle! Hanna
⭐⭐⭐⭐⭐ Jedes Mal aufs Neue eine schöne und lehrreiche Erfahrung. Ich habe schon an mehreren Meditationen und einem Trauer-Retreat bei Theres teilgenommen und bin begeistert. Ich kenne keine andere Person außer Theres, die so einfühlsam mit Trauer und Gefühlen umgehen kann und einem trotzdem den Raum lässt, den man braucht. Man lernt bei jedem Besuch dazu. Sarah
⭐⭐⭐⭐⭐ Der Vortrag vom 31.8. hat mich auf eine Weise berührt, die ich kaum in Worte fassen kann. Seit dem Tod meines Vaters am 8.5. trage ich viele Fragen, Gedanken und Gefühle in mir, für die es oft keinen Raum gibt oder keine Worte. In deinem Workshop, liebe Theres, habe ich das Gefühl gehabt, dass all das da sein darf, ohne Druck, ohne Bewertung. Du hast nicht nur Wissen weitergegeben, sondern auch etwas viel Wertvolles: eine Haltung der Achtsamkeit, des Mitgefühls und der Offenheit. Deine Arbeit ist so wichtig, und sie wirkt weiter, auch still und leise in meinem Herzen und in den Herzen vieler Menschen. Susi

Von Herzen danke an Martina Nell für die wundervollen Bilder, die diesen Tag so besonders festhalten.


Wenn gerade kein Retreat stattfindet

Retreats gibt es nur ab und zu. Wenn du dir schon jetzt Austausch mit anderen Trauernden wünschst, ist eine Online-Trauergruppe eine gute Möglichkeit, von zuhause aus und ohne Anreise. Wenn du lieber einzeln begleitet werden möchtest, ist eine Trauerbegleitung der richtige Rahmen.


Häufige Fragen zum Trauerretreat

Was ist ein Trauerretreat genau?

Ein Trauerretreat ist ein geschützter, meist eintägiger Raum, in dem mehrere trauernde Menschen sich gemeinsam mit ihrem Verlust auseinandersetzen, begleitet durch Rituale, Achtsamkeitsübungen und Austausch. Es geht nicht darum, Trauer zu „lösen“, sondern ihr bewusst Raum zu geben.


Was macht man bei einem Trauerretreat?

Ankommen, eine Einführungsrunde mit persönlichen Erinnerungsstücken, Meditation und Bewegung, ein gemeinsames Essen, ein Erinnerungsritual und eine Abschlussrunde. Der Ablauf gibt Halt und lässt gleichzeitig Raum für das, was entsteht.


Muss ich bei einem Trauerretreat viel reden?

Nein. Es gibt Momente des Austauschs, aber niemand wird zum Sprechen gedrängt. Genauso viel Raum bekommen Schweigen, gemeinsames Sitzen und einfaches Dabeisein.


Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Trauerretreat?

Es gibt keinen falschen Zeitpunkt. Manche kommen wenige Wochen nach einem Verlust, andere Jahre später. Warum Trauer keinen festen Zeitplan hat, liest du in Wie lange dauert Trauer?


Ersetzt ein Trauerretreat eine Trauerbegleitung oder Therapie?

Nein, ein Retreat ergänzt sie. Es bietet einen intensiven, zeitlich begrenzten Rahmen für gemeinsame Trauerarbeit, oft mit einer Tiefe, die im Alltag selten Platz findet.


Wie erfahre ich vom nächsten Retreat?

Retreats finden in unregelmäßigen Abständen statt. Schreib mir einfach, dann informiere ich dich, sobald ein neues Retreat geplant ist.


Du möchtest beim nächsten Trauerretreat dabei sein? Trag dich hier ein. Bis dahin treffen sich unsere Online-Trauergruppen regelmäßig, von zuhause aus.


Theres Kirisits ist zertifizierte Trauerbegleiterin und Gründerin von t.rau*raum. Sie bietet Trauerbegleitung und Trauergruppen online an, auf Deutsch oder Englisch, auch am Wochenende oder an Feiertagen, mit einem ersten Termin innerhalb von 48 Stunden. Außerdem gibt sie Workshops zu Trauer am Arbeitsplatz. Mehr über Theres

2 Kommentare


Anna
08. Aug.

So ein Trauerretreat wäre genau das Richtige für mich. Die Mischung aus Austausch, Ritualen und einfach Raum für die eigene Trauer klingt unglaublich wohltuend. Ich hoffe sehr, dass es wieder eines geben wird.

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Theres Kirisits
Theres Kirisits
24. Aug.
Antwort an

Es freut mich sehr zu lesen, dass Dich die Idee des Trauerretreats so anspricht. Genau diese Mischung ist mir dabei wichtig. Gemeinschaft und Austausch, aber gleichzeitig auch genügend Raum für die ganz eigene Trauer. Ich hoffe sehr, dass ich bald wieder ein Retreat anbieten kann.

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