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Trauer im Team nach einem Todesfall: Was jetzt hilft

Autorenbild: Theres Kirisits
Theres Kirisits
vor 2 Tagen
7 Min. Lesezeit

Ein Kollege oder eine Kollegin ist gestorben, und im Büro herrscht auf einmal eine seltsame Stille. Niemand weiß, was er oder sie sagen soll. Manche vermeiden das Thema komplett. Manche flüstern nur noch. Und Du selbst stehst vielleicht auch einfach nur da und denkst: Was mache ich jetzt eigentlich?


Genau darum geht es in diesem Text. Nicht um Theorie, sondern um konkrete Worte und konkretes Verhalten, für Kolleg:innen genauso wie für Führungskräfte.


Ich habe elf Jahre bei Booking.com gearbeitet, bevor ich Trauerbegleiterin wurde. Ich kenne beide Seiten: das Bedürfnis, professionell zu funktionieren, und gleichzeitig innerlich mit einem Verlust zu ringen. Heute gebe ich Workshops zu Trauer am Arbeitsplatz für Unternehmen, unter anderem für Audi. Was ich dabei immer wieder sehe: Es fehlt nicht am guten Willen. Es fehlt an Wissen darüber, was man konkret tun kann.


Kurz gesagt: Trauer im Team nach einem Todesfall ist eine der am meisten unterschätzten Situationen im Arbeitsleben. Es gibt selten einen klaren Plan, wer was sagt, wer sich um was kümmert und wie lange das Team Zeit bekommt, um sich neu zu sortieren.

Trauer@work Flyer liegt schräg auf Holztisch, daneben weiße Blüten, Schwarz-Weiß-Aufnahme.

Was passiert, wenn ein Kollege oder eine Kollegin stirbt?

Dabei betrifft ein Todesfall im Team nicht nur die engsten Kolleg:innen. Auch Menschen, die nur am Rand mit der verstorbenen Person zu tun hatten, können überrascht sein, wie sehr sie das mitnimmt. Der Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem wir viel Zeit miteinander verbringen, oft mehr als mit manchen Familienmitgliedern. Ein Verlust dort trifft entsprechend tief.


Dazu kommt eine Ebene, die im privaten Umfeld meist wegfällt: Der Arbeitsalltag läuft weiter. Deadlines bleiben, Kund*innen erwarten Antworten, Meetings sind geplant. Trauer und Funktionieren müssen im Job oft gleichzeitig stattfinden. Das ist eine echte Belastung, die selten offen angesprochen wird.


Warum wird Trauer im Team oft totgeschwiegen?

Die meisten Menschen im Job haben nie gelernt, wie man mit Tod und Trauer umgeht. Also greifen viele zur einfachsten Lösung: schweigen. Der Schreibtisch der verstorbenen Person bleibt tagelang unberührt, weil niemand weiß, wer ihn räumen soll. Meetings laufen weiter, als wäre nichts passiert. Die verstorbene Person wird kaum noch beim Namen genannt.


Das passiert selten aus Gleichgültigkeit. Es passiert aus Unsicherheit, aus Angst, etwas Falsches zu sagen, aus der Sorge, dass Trauer im Arbeitskontext nicht „professionell“ wirkt. Genau diese Unsicherheit führt aber dazu, dass sich trauernde Kolleg:innen zusätzlich allein gelassen fühlen, mitten in einem Umfeld voller Menschen.


Warum Trauer auch im Job Raum braucht, beschreibe ich in Trauer im Job: Darf hier überhaupt getrauert werden?.


Was kannst Du als Kollege oder Kollegin sagen und tun?

Du musst keine perfekten Worte finden. Was am meisten hilft, sind einfache, ehrliche Sätze:

  • „Ich bin sehr traurig über den Tod von [Name]. Wie geht es Dir gerade damit?“

  • „Ich weiß nicht genau, was ich sagen soll, aber ich wollte Dir zeigen, dass ich an Dich denke.“

  • „Falls Du reden möchtest, oder auch einfach nur nicht allein sein willst, ich bin da.“


Vermeide Sätze wie „Er oder sie ist jetzt an einem besseren Ort“ oder „Wenigstens hat er oder sie nicht mehr gelitten“. Solche Sätze sind meist gut gemeint, kommen aber oft als Beschwichtigung an, nicht als Trost. Genauso wenig hilft „Zeit heilt alle Wunden“, denn Zeit allein heilt gar nichts. Es kommt darauf an, was Du mit dieser Zeit machst.



Was sollten Führungskräfte in den ersten Tagen tun?

Die ersten 48 Stunden

Als Führungskraft trägst Du in den ersten Stunden nach einem Todesfall besondere Verantwortung, auch wenn Dir vielleicht selbst nicht danach ist, jetzt organisatorisch zu denken.


Wichtig ist vor allem: Informiere das Team zeitnah und persönlich, nicht per Massen-E-Mail ohne Vorwarnung. Gib dem Team Raum, die Nachricht erstmal sacken zu lassen, bevor der Arbeitsalltag einfach weiterläuft. Kläre früh, wer sich um praktische Dinge kümmert, etwa um Kontakt zu Angehörigen oder um die Frage, ob und wie das Team an einer Beerdigung teilnehmen kann.


Und ganz wichtig: Mach keinen Druck, dass alle sofort wieder „normal“ arbeiten sollen. Menschen trauern unterschiedlich schnell und unterschiedlich sichtbar. Manche wollen sich in Arbeit stürzen, weil das ihnen Halt gibt. Andere brauchen ein paar Tage Abstand. Beides ist in Ordnung.


Überlege außerdem gemeinsam mit dem Team, ob und wie Kund*innen oder externe Partner informiert werden sollen, falls die verstorbene Person nach außen sichtbar war. Das nimmt dem Team zusätzlichen Druck, das in der akuten Phase selbst regeln zu müssen. Und denk daran, dass auch Du als Führungskraft trauern darfst. Du musst nicht die gefasste Instanz sein, die alles auffängt, während Du selbst innerlich zusammenbrichst.


Was Unternehmen über die ersten Tage hinaus tun können, liest Du in Trauer am Arbeitsplatz: Wie Unternehmen trauernde Mitarbeitende unterstützen können.


Der leere Arbeitsplatz: Wie das Team mit sichtbaren Erinnerungen umgeht

Der leere Schreibtisch, die Jacke noch über dem Stuhl, der Kalender mit Terminen, die nie mehr stattfinden: Das sind Details, die im Trauerprozess eines Teams oft unterschätzt werden, aber eine große Wirkung haben.


Es gibt keine pauschal richtige Antwort darauf, wie schnell ein Arbeitsplatz geräumt werden sollte. Zu schnell kann sich anfühlen, als würde die Person einfach ausgelöscht. Wird er zu lange stehen gelassen, kann das für manche im Team schwer erträglich sein, weil es die Erinnerung ständig wach hält. Am besten ist es, das im Team offen anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden, statt es stillschweigend jemandem zu überlassen.


Manche Teams entscheiden sich für ein kleines, bewusstes Ritual: eine Kerze am Arbeitsplatz, ein gemeinsames Foto, eine kurze Gedenkminute im nächsten Teammeeting. Das muss nichts Großes sein. Aber es gibt dem Team die Möglichkeit, den Verlust gemeinsam anzuerkennen, statt ihn stillschweigend zu übergehen.


Wie lässt sich Trauer im Team langfristig begleiten?

Die größte Unterstützung findet meist in der ersten Woche statt: Beileidsbekundungen, vielleicht ein gemeinsamer Kranz, eine E-Mail an alle. Danach lässt die Aufmerksamkeit oft schnell nach, obwohl die Trauer bei den engsten Kolleg:innen der verstorbenen Person oft erst richtig beginnt.


Was hier hilft: Frag auch Wochen oder Monate später noch nach, wie es jemandem geht, besonders um den ersten Jahrestag herum. Behalte im Blick, ob jemand im Team sich zurückzieht oder sich spürbar verändert. Das kann ein Zeichen sein, dass zusätzliche Unterstützung gebraucht wird. Und mach deutlich, dass die verstorbene Person weiterhin genannt werden darf, in Geschichten, in Erinnerungen, auch im Arbeitsalltag.


Ein Team, das offen mit einem Verlust umgeht, wächst oft näher zusammen. Ein Team, das ihn verschweigt, trägt die Unsicherheit oft noch lange mit sich herum, auch wenn niemand mehr offen darüber spricht.


Warum es dafür keinen festen Zeitplan gibt, beschreibe ich in Wie lange dauert Trauer? Warum es keinen festen Zeitplan gibt.


Was ist anders, wenn der Tod plötzlich kam?

Ein plötzlicher Todesfall, etwa durch einen Unfall oder einen Suizid, stellt Teams vor besondere Herausforderungen. Es gibt keine Vorwarnung, keine Zeit, sich innerlich vorzubereiten. Der Schock sitzt oft tiefer, und die Fragen im Kopf sind lauter: Hätte man etwas bemerken müssen? Hätte man anders reagieren können?


In solchen Situationen ist es besonders wichtig, dem Team frühzeitig professionelle Unterstützung anzubieten, etwa durch eine externe Trauerbegleitung oder psychologische Erstversorgung. Das ist kein Zeichen von Schwäche im Team, sondern ein notwendiger Schritt, wenn ein Ereignis außerhalb dessen liegt, was Kolleg:innen allein auffangen können.


Auch bei einem erwarteten Todesfall, etwa nach langer Krankheit, sollte man die Belastung für das Team nicht unterschätzen. Manche Kolleg:innen haben sich bereits innerlich verabschiedet, bevor der Tod eintritt. Andere trifft die Nachricht trotz der Vorwarnung völlig unvorbereitet. Beides ist normal und braucht unterschiedlich viel Raum.


Wie sich ein plötzlicher Verlust auf Körper und Nervensystem auswirken kann, beschreibe ich in Umgang mit Trauma nach einem plötzlichen Todesfall: Ein praktischer Leitfaden.


Wenn Du oder jemand im Team gerade nicht weiß, wie es weitergehen soll, oder Gedanken an Suizid hat: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In Österreich unter 142, in der Schweiz unter 143. Bei akuter Gefahr wähle den Notruf 112.


Für Teams und Unternehmen biete ich Workshops zu Trauer am Arbeitsplatz an. Für einzelne Kolleg:innen gibt es Trauerbegleitung und Trauergruppen.


Häufige Fragen zu Trauer im Team nach einem Todesfall

Was sagt man, wenn ein Kollege oder eine Kollegin gestorben ist?

Am besten hilft ein einfacher, ehrlicher Satz wie „Ich bin sehr traurig über den Verlust und wollte Dir zeigen, dass ich an Dich denke.“ Du brauchst keine perfekten Worte. Echte Anteilnahme zählt mehr als die richtige Formulierung.


Muss man zur Beerdigung eines Kollegen oder einer Kollegin gehen?

Das ist keine Pflicht, sondern eine persönliche Entscheidung, die von Deiner Beziehung zur verstorbenen Person abhängt. Wenn Du nicht teilnehmen kannst oder möchtest, kannst Du Deine Anteilnahme trotzdem auf andere Weise zeigen, etwa mit einer Karte oder persönlichen Worten an die Angehörigen.


Wie lange sollte man dem Team Zeit geben, um zu trauern?

Es gibt keine feste Dauer. Wichtig ist, dass Führungskräfte keinen Druck aufbauen, schnell zur „Normalität“ zurückzukehren, und stattdessen im Austausch mit dem Team bleiben, wie viel Raum gerade gebraucht wird.


Wie geht man mit dem Arbeitsplatz einer verstorbenen Kollegin oder eines

verstorbenen Kollegen um?

Es gibt keine pauschal richtige Lösung. Am besten wird das offen im Team besprochen, statt es stillschweigend zu entscheiden, damit sich niemand übergangen fühlt.


Was tun, wenn im Team niemand über den Todesfall spricht?

Sprich das Schweigen aktiv an, zum Beispiel in einem Teammeeting oder im Gespräch mit der Führungskraft. Oft warten mehrere Menschen im Team darauf, dass jemand den ersten Schritt macht.


Gibt es einen Unterschied, ob der Tod plötzlich oder nach langer Krankheit eintritt?

Ja. Ein plötzlicher Todesfall trifft Teams meist härter und ohne jede Vorbereitung, während ein erwarteter Tod nach Krankheit oft schon vorher erste Trauerreaktionen im Team auslöst. Beide Situationen brauchen Raum, aber ein plötzlicher Verlust braucht häufiger zusätzliche, professionelle Unterstützung von außen.


Trauer am Arbeitsplatz betrifft niemals nur eine einzelne Person. Sie betrifft das ganze Team, auch wenn nicht alle gleich laut oder gleich sichtbar trauern. Je offener ein Unternehmen damit umgeht, desto eher findet jede und jeder Einzelne den eigenen Weg zurück in den Alltag, ohne den Verlust verstecken zu müssen. Das gilt für kleine Teams genauso wie für große Unternehmen, in denen sich Trauer sonst schnell im Trubel des Alltags verliert.


Wenn Du in Deinem Unternehmen Unterstützung im Umgang mit Trauer am Arbeitsplatz brauchst, kannst Du hier Kontakt aufnehmen.


Über die Autorin: Theres Kirisits ist zertifizierte Trauerbegleiterin und Gründerin von t.rau*raum. Sie bietet Trauerbegleitung und Trauergruppen online an, auf Deutsch oder Englisch, auch am Wochenende oder an Feiertagen, mit einem ersten Termin innerhalb von 48 Stunden. Außerdem gibt sie Workshops zu Trauer am Arbeitsplatz. Mehr über Theres

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